»Größres mag sich anderswo begeben,
als bei uns in unserm kleinen Leben.«
Johann Christoph Friedrich von Schiller (1759 - 1805)

Webmontag in Stuttgart [Nachlese]

Dienstag
30.05.
2006
Gestern fand in Stuttgart der erste Webmontag statt. Nachdem ich vergebens vesucht hatte einige Kollegen zur Teilname zu bewegen - was eigentlich verwunderlich ist, da der Schwabe eigentlich »'nem g'schenkten Gaul net ins Maul schaut« - habe ich mich alleine auf den Weg zum Literaturhaus gemacht. Dort angekommen musste ich feststellen, dass ich nicht der einzige war. Um die 60 Personen hatten sich bereits eingefunden, die pünktlich um 20 Uhr den Vorträgen lauschten. Dass es bei der Anzahl der Themen nicht bei der veranschlagten einen Stunde blieb war klar. Dem gelungenen Mix der Vorträge wäre eine kürzere Zeit als eineinhalb Stunden allerdings auch nicht gerecht geworden.

Herr Tischer vom Literatur-Cafe berichtete seine Erfahrungen vom Einsatz des Podcastes. Auf dieses Thema ging bei einem späteren Vortrag nochmals Frau Locher von PONS ein, die in den kommenden Monaten unter dem Namen Ponscast einen Fremdsprachen-Podcast veröffentlichen werden. Herr Schmid von Stuttgart-blog.net sprach über die Gedanken und Hintergründe des selbigen. Kommt die 68er-Bewegung in Form eines Stadt-Weblogs zurück? Beim Zuhören könnte man auf den Gedanken kommen, denn das Stuttgart Blog versteht sich als Plattform für alle Arten von Schreibern ohne jedaktionelle Bearbeitung. Zwei technische Vorträge waren ebenfalls zu hören. Tobias Günther von Puremdedia referierte über AJAX und zeigte einige Live-Beispiele. Den Abschluss machte Marc Beyerlin mit dem nach eigenen Angaben sehr nerdigen Vortrag über Ruby on Rails, einem Framework das, und darüber war ich dann wirklich sehr überrascht, sehr häufig eingesetzt wird und evtl doch mehr als eine Modeerscheinung ist?

Aufgrund der vorgerückten Stunde, dem schlechten Wetter und der Tatsache, dass ich mein Auto zu Hause habe stehen lassen bin ich nach den Vorträgen gleich nach Hause gefahren. Einige der Teilnehmer haben es sich noch im VINUM im Erdgeschoss gemütlich gemacht, wo noch bis zur Sperrstunde diskutiert wurde.

Der Webmontag war ein voller Erfolg. Ich werde bei nächsten Mal, sofern es meine Zeit zulässt wieder vor Ort sein. Schade eigentlich, dass ich mich dafür bis zum 23. Oktober gedulden muss, denn dann findet der nächste Webmontag in Stuttgart statt.
 

Kommentare:

Ralf Schmid

schrieb am 05.06.06 um 19:31 Uhr
68er-Bewegung, aha. Absolut nichts für ungut, aber was mich persönlich anbelangt, geht es um einen winzigen Baustein individueller Freiheit, die sich darin äußert, dass Menschen einen öffentlichen medialen Raum besetzen, um sich ungehindert zu artikulieren und auszutauschen. Das zugrundeliegende Prinzip gab es schon in der Antike, also ein paar Jahre vor 68. Parallelen sehe ich eher zu Wikipedia oder — wenigstens teilweise — zum Freien Radio. Mit dem verquasten Theoriewust der 68er habe ich zumindest wenig am Hut.

Volker

schrieb am 05.06.06 um 21:57 Uhr
Mit der 68er-Bewegung verbinde ich vorallem das Streben nach persönlicher Freiheit und dem Losreißen von alten Konventionen, Normen und Werten. Sicherlich umfasst die 68er-Bewegung noch weit mehr als diese beiden Aspekte und daher habe ich diesen Vergleich etwas vorschnell gezogen. Ich hatte mich ja bereits vor dem Webmontag als Autor geristriert, aber es war dennoch sehr interessant zu erfahren wie www.stuttgart-blog.net/ entstanden ist und wie ihr euch die Zukunft vorstellt. Gerade in einer Zeit, in der der Profitgedanken in unserer Gesellschaft immer mehr in den Vordergrund rückt und die Abmahnwellen immer höher um sich schlagen, war ich positiv überrascht wie ihr mit dem Medium Stadtblog umgeht und welch offene Plattform ihr den Stuttgarter Bürgern damit bietet.

Ralf Schmid

schrieb am 05.06.06 um 22:35 Uhr
Der Vergleich ist kein Beinbruch, es verbindet eben jeder seine eigenen Assoziationen mit den ominösen 68ern. Ein bisschen allergisch reagiere ich weniger auf das, wofür sie angetreten als wo sie zu einem großen Teil gelandet sind: In genau dem Apparatschik- und Bürokratenclub, den sie seinerzeit u. a. bekämpft haben. Was das historische Verdienst nicht schmälert, nur ein wenig konsequenter hätte es schon ausfallen dürfen. Was den Umgang mit dem Thema Stadtblog angeht, sind wir der tiefen Überzeugung, dass es, wenn, dann nur als Non-Profit-Modell funktionieren und halbwegs authentisch bleiben wird, alles andere führt früher oder später in die mentale Nähe eines Wochenblatts. Nichts Verwerfliches, so ein Wochenblatt, aber eben auch nichts, wovon man noch weitere Varianten bräuchte. Und Abmahner — nun ja: Man muss einer Abmahnung nicht Folge leisten, sie hat ja eher Vorschlagscharakter. Soll der Abmahner halt seinen Prozess anstrengen, was dabei herauskommt, wird man dann immer noch sehen. Ich gehe mal optimistisch davon aus, dass vor einem ordentlichen Gericht letztendlich Rechtsgüter abgewogen und nicht lediglich Partikularinteressen befriedigt werden, auch wenn es manchmal den Anschein hat.
derCobold.de ist das Blog von Volker Herrmann.